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CONSCIOUS CAMPUS · BLOG

Mitgefühl und Grenzen: ehrlich in Beziehung bleiben

Wir sitzen in einem Gespräch und nicken zustimmend, obwohl innerlich ein Nein in uns ist.

Wir sagen einen Satz, der nach Verständnis klingt, obwohl etwas anderes gesagt werden müsste.

Auf dem inneren Weg breiten sich Offenheit und Mitgefühl für sich selbst und andere langsam aus. Wir sehen hinter einer Handlung eher die Not. Wir können Menschen anders begegnen. Doch auch dieses Mitgefühl kann einen Schatten haben. Dann nämlich, wenn es zum Ideal wird.

Wenn Zustimmung unehrlich wird

Es gibt Begegnungen, in denen jemand lächelt, aber dahinter Wut steht. In denen jemand liebevoll zustimmt, obwohl ein Unverständnis darunter lebt.

Wir spüren, dass etwas zurückgehalten wird. Es klingt nach Nähe, aber wir können mit dem, was wirklich da ist, nicht in Beziehung kommen.

Was in unserer Szene manchmal Mitgefühl genannt wird, ist ein Ausweichen vor der Klarheit, die im Moment gefragt wäre. Wir sagen Ja, wo ein Nein ehrlich gewesen wäre. Wir stimmen zu, obwohl wir etwas anderes wahrnehmen.

Mitgefühl braucht unsere Grenzen

Was ich mit mitfühlender Klarheit meine, ist: Ich benenne ehrlich, was ist. Und bleibe dir dabei zugewandt.

Das braucht auch in der Begleitung Mut. Ich darf wahrnehmen, dass etwas für mich nicht stimmt. Ich darf es aussprechen, ohne daraus ein Urteil über den ganzen Menschen zu machen.

Ich sage das vorsichtig, weil aus jedem Begriff ein neuer Maßstab werden kann. Dann prüfen wir uns schon wieder darauf, ob wir klar genug sind. Oder mitfühlend genug. Und verlieren darüber den Kontakt zu dem, was wir eigentlich empfinden.

Auch die eigene Klarheit hinterfragen

Mitfühlende Klarheit braucht Mut und Demut. Denn ja, wir liegen auch manchmal daneben.

Ich halte etwas für Klarheit, und es war mein Schutz, der gesprochen hat. Ich halte etwas für Wahrheit, und es war mein Bedürfnis, recht zu haben.

Deshalb gehört für mich dazu, den eigenen Impuls zu prüfen. Aus welchem Ort in mir kommt das gerade? Kann ich hören, wenn mein Gegenüber es anders erlebt?

Authentisch zu sein heißt auch, in diesem Kontakt zu bleiben. Mit dem eigenen Nein. Und mit der Bereitschaft, sich korrigieren zu lassen.

Ehrliche Begegnung in der Begleitung

Mitgefühl und die eigenen Grenzen beschäftigen uns auch in unserer Ausbildung in integrativer Begleitung. Wenn du Menschen begleiten möchtest, gehört die Auseinandersetzung mit der eigenen Art, in Beziehung zu sein, zu diesem Lernweg.

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